Die Photos auf meinem Blog zeigen, dass ich gerne Nahaufnahmen mache. Bisher nutzte ich dafür das Olympus 14-42 mm Objektiv mit Makrokonverter an einer OM-D 10 Mark II . Auf der Suche nach einem “richtigen” Makroobjektiv habe ich einerseits mit dem Olympus 60mm geliebäugelt. Andererseits kommt es bei so kurzen Distanzen auf die richtige Fokusierung an. Und gerade bei Insekten, die mal schnell ihren Platz wechseln, liegt der Autofokus gerne schon einmal einige Millimeter daneben. So wird vielleicht das Blatt, auf dem ein Insekt sitzt scharf, das Tierchen selbst ist bei der geringen Schärfentiefe jedoch kaum noch zu erkennen. Also lautet die Devise oftmals: Manuell fokussieren. Und so bin ich auf das Oshiro 60mm f/2.8 mit einem Abbildungsmaßstab von bis zu 2:1 gestoßen. Rein mechanisch, dafür deutlich günstiger (ca. 135 Euro).

Das Objektiv wurde als Objektiv für Micro Four Thirds beworben. Erst bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, dass dies eigentlich nur für das Canon-Bajonett verfügbar ist und es sich um ein Bundle mit entsprechendem Adapter handelte. Während die Olympus-Objektive fest auf dem Gehäuse sitzen, kann der Adapter auf dem Gehäuse geringfügig wackeln, ebenso wie das Objektive auf dem Adapter. Ob dies ausschließlich am Adapter, oder aber auch am Objektiv liegt, kann mangels alternativem Adapter nicht beurteilt werden. In der Praxis jedenfalls hat sich diese leichte mechanische Instabilität nicht negativ bemerkbar gemacht.

Für die Fokussierung steht weniger als eine halbe Umdrehung am Fokusring zur Verfügung. Es erfordert schon ein wenig Übung, um hier ähnlich fein fokussieren zu können, wie der motorgetriebene manuelle Fokus bei den elektrischen Objektiven. Auch die Blende wird rein mechanisch eingestellt. Mangels elektrischer Verbindung gibt es so keinerlei Information zur gewählten Blende, was der Belichtungsmessung der Kamera keinen Abbruch tut, aber halt später auf dem Foto nicht als Info zur Verfügung steht. Auch erkennt die Kamera nicht, wann der Fokusring betätig wird und kann so nicht das automatische Fokus-Peaking einschalten. Dies kann jedoch manuell zugeschaltet werden.

Dieser Nachteile sollte man sich bewusst sein, wenn die Entscheidung für dieses Objektiv fällt. Ich habe diese ob des günstigen Preises in Kauf genommen.

Der minimale Fokusabstand beträgt 18,5 cm. Da das Objektiv bereits rund 13 cm lang ist und etwas Abstand zum Sensor hat, heißt dies, man kann mit der Frontlinse bis auf rund 5cm an das zu fotografierende Objekt heran. Un damit sind dann wahrhaft riesige Aufnahmen möglich. Die Beispielbilder wurden mit der größtmöglichen Blende von 2,8 erstellt. Damit sind dann extrem kurze Verschlußzeiten möglich, um auch den Flügelschlag von Insekten “einzufrieren”. Nachteilig ist die geringe Tiefenschärfe. Das Objektiv kann jedoch bis auf Blende 22 abgeblendet werden, so dass eine deutlich größere Tiefenschärfe erzielt werden kann.

Die Beispielfotos wurden beschnitten und verlustbehaftet komprimiert, damit sie unterhalb der Maximalgröße für diesen Blog bleiben. Im Original ist es also noch besser.

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Dank der für diese Preisklasse großen Blende von 2,8 sind mit diesem Objektiv auch Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen möglich. Insbesondere im Wald, bei den Ameisen, macht sich dies positiv bemerkbar. Fotografieren mit Bokeh ist ebenfalls recht gut möglich. Dank der 14 Blendenelemente ergeben sich fast runde Unschärfekreise.

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Erkennbar ist dies beim zweiten Ameisenbild im Vordergrund. Richtig Spaß macht das Fotografieren mit Bokeh bei Portrait-Aufnahmen. Das Objektiv kann nicht nur auf 18,5 cm, sondern auch auf Unendlich fokussieren, so dass Portraits oder ganz allgemein Personen-Aufnahmen gut möglich sind. Lediglich für Schnappschüsse ist es mangels Autofokus weniger gut geeignet.